Wenn ein Mensch vor der Kamera steht, hat das meistens einen Grund, bei Business-Videos soll eine Botschaft transportiert werden.
Die Lichtstimmung spielt da eine untergeordnete Regel, das Licht sollte aber so sein, wie in der Realität. Denn was nicht stört, nicht auffällt oder wahrgenommen wird, ist gutes Licht.
Auch wenn Videokameras bereits künstliche Intelligenz nutzen um das Bild besser zu machen, die Fähigkeit des menschlichen Auges in Kombination mit dem Gehirn als Wahrnehmungsfilter können sie nicht nachahmen.
Das Hirn ergänzt und reduziert ohne Unterbrechung Bildinformationen, wenn wir uns im realen Raum bewegen. Anders beim Filmbild. Hier interpretiert das Auge exakt die Informationen, die es vorgesetzt bekommt.
Die Grenzen sind klar gezogen. Was das Auge sieht kann die Kamera nicht aufzeichnen. Und umgekehrt. Ein störender Schatten ist und bleibt, anders als in der Realität, ein störender Schatten. Helligkeitsunterschiede, die unser Hirn automatisch ausgleicht, lenken im Video den Blick vom Hauptmotiv ab.
Farbverschiebungen, die das ungeschulte menschliche Auge überhaupt nicht wahrnimmt, las/sen Aufnahmen blau oder gelb erscheinen. Darum ist es bei Videos unerlässlich, geeignete Lichtquellen zu nutzen, um einen realen Bildeindruck zu erzeugen.
Kamerabewegung und die Bildbeleuchtung muss immer inhaltlich begründet sein. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Spricht ein Mensch vor der Kamera in einem Video, darf das Licht in erster Linie nicht von der Wahrnehmung dieser Person ablenken. Die Bildbeleuchtung ist hier Mittel zum Zweck und kein eigenständiges Gestaltungsmittel.
Genauso wie sich die Kamera in der Regel in der Blickachse oder knapp neben dieser befindet, dient auch die Bildbeleuchtung nur im Ausnahmefall der Interpretation der Persönlichkeit des Gegenübers oder der Aussage. Nur als Ausnahme der Ausnahme wird in einem Testimonial das Licht extra sanft („weich“) oder mit bewusst hohem Kontrast gesetzt.
Ein typisches Beispiel für eine Situation, in der auch die eigene Großmutter mit der Videokamera ein gutes Bild hinbekommt, ist ein Dreh unter freiem Himmel ohne Sonnenlicht. Autofokus und die richtige Blende vorausgesetzt, kann man hier in Sachen Bildbeleuchtung kaum etwas falsch machen. Dazu ist keine 3-Punkt Beleuchtung erforderlich.
Bei allen anderen Situationen ist ein geschultes Auge notwendig um zu wissen was man tun muss, wenn ein natürlich wirkendes Bild gewünscht ist. Dazu muss man nicht das Rad neu erfinden sondern es reicht, wenn man das Prinzip der 3-Punkt Beleuchtung kennt und korrekt anwenden kann.
Die Überlegung hinter dem 3-Punkte-Prinzip der Bildbeleuchtung ist so bestechend wie einfach: Immer und überall dort, wo ein Raum nicht gleichmäßig hell ist, müssen logischerweise zusätzlich Leuchten eingesetzt werden. Damit dabei ein natürlicher Raumeindruck bestehen bleibt, wird von drei unterschiedlichen Positionen (darum: 3-Punkt Beleuchtung) im Raum aus beleuchtet. Warum? Weil Licht und Schatten zusammengehören wie Kamera und Objektiv.
Wo und aus welcher Position auch immer ich ein Licht setzte, generiere ich damit auch Schatten. Eine zweite Lichtquelle gibt mir die Möglichkeit, diese Schatten wieder aufzuhellen. Die dritte Lichtquelle, wiederum von einem anderen Standort, positioniert die Person im Raum und verstärkt das natürliche Raumgefühl. So einfach ist das.
Das Führungs- oder Hauptlicht ist für jede Filmszene das wichtigste Licht. Ihm gehört die größte Aufmerksamkeit. Als primäres Licht lenkt es das Auge des Zuschauers (daher der Name). Es legt die Richtung fest, aus dem das Licht mehrheitlich kommt.
Bei Interviews und Talking Heads wird zuerst die Kameraposition und der Bildausschnitt bestimmt. Das gilt übrigens generell beim Setup von Licht für Film und Video. Nur so ist klar, welche Raumteile und Gegenstände, zusammen mit dem Protagonisten, im Bild erscheinen. Diese werden anschließend ausgeleuchtet.
Steht der Blickwinkel der Kamera fest, ergibt sich daraus auch der Beleuchtungswinkel. Der Beleuchtungswinkel ist nichts anderes als die Richtung, aus welcher das Licht kommt. Er legt fest, ob ein Scheinwerfer vor oder hinter der Kamera, über oder unter der Blickachse der Kamera positioniert wird.
Für das Führungslicht wird als Faustregel von einem Beleuchtungswinkel von ungefähr 45 Grad ausgegangen. Dieser Wert bezieht sich auf die Position des Lichtkörpers seitwärts zur Kamera. Mit Bezug auf die Höhe der Lichtquelle empfiehlt es sich, diese leicht erhöht zu setzen. Damit kommt man dem Eindruck von Sonnenlicht, an das sich der Mensch instinktiv gewöhnt ist, am nächsten. Ist die Position zu hoch oder zu tief, wirkt das seltsam. Erkennbar ist dies am Schattenwurf der Nase der Person. Der Schatten, den die Nase erzeugt, sollte schräg nach unten fallen.
Wirft die Nase keinen Schatten, ist die Bildbeleuchtung zu weich oder zu frontal. Damit reduziert man die Natürlichkeit. Das Gesicht wird nicht mehr modelliert (in 3D), sondern zu einer zweidimensionalen Maske. Umgekehrt darf der Schatten auch nicht zu hart sein. Zu hartes Licht im Gesicht lässt sich durch eine entsprechende Folie mildern.
Die Dreidimensionalität ist auch der Grund, warum das Führungslicht bei der 3-Punkt Beleuchtung immer dort gesetzt wird, wo seine Wirkung am stärksten ist. Das ist, bezogen auf das Gesicht, immer diejenige Seite, die der Kamera abgewandt ist. Setzt man bei der Bildbeleuchtung im Interview das Key Light auf die der Kamera zugewandte Seite, wirkt das Gesicht weniger interessant und räumlich.
In den wenigen Fällen, in denen jemand in einem gesetzten Interview direkt in die Kamera spricht, gibt es wegen des geraden Blicks in die Kameralinse keine abgewandte oder zugewandte Seite. Hier wählen die meisten Kameraleute diejenige Gesichtshälfte für das Führungslicht, welche weiter vom Bildrand entfernt ist (ein handwerklich sauberes Videobild wird niemals mittig zentriert, sondern es folgt der 2/3 Regel, die der Zuseher unbewusst als harmonisch und natürlich empfindet).
Kein Licht ohne Schatten. Das gilt auch für das Führungslicht. Darum benötigen wir für die 3-Punkt Beleuchtung eine zweite Lichtquelle.
Diese hat zwei Aufgaben: Erstens soll sie die Schatten der Hauptlichtquelle (des Führungslichts) aufhellen. Zweitens muss sie dies tun, ohne ihn Konkurrenz zum Hauptlicht zu treten. Deshalb ist das Fülllicht nie gleich stark wie das Führungslicht, sondern immer schwächer.
Um die dunklen Bereiche aufzuhellen, die das Hauptlicht generiert, reicht meist ein halb so starkes Licht wie das Key Light. Damit bleibt die Dominanz der hauptsächlichen Lichtquelle bereits gewahrt.
Das Verhältnis zwischen Führungslicht und Fülllicht lässt sich auch in Zahlen ausdrücken. Eine Relation von 2 : 1 (Führungslicht ist doppelt so stark wie das Fülllicht) kann als Faustregel gelten. Dieser Unterschied entspricht etwa einer Blendenstufe.
Für Video-Interviews gilt es zu beachten, dass mit einem Fülllicht von unter 50 % der Hauptlichtquelle nicht nur Kontraste härter und unübersehbar werden. Gleichzeitig verliert das Fülllicht damit auch seine Funktion, ein Gesicht subtil zu modellieren und akzentuieren. Der Standort und Lichtwinkel ergibt sich beim Fülllicht aus seiner Aufgabe als Aufheller. Schatten entstehen logischerweise auf der einer Lichtquelle abgewandten Seite. Darum muss das Fülllicht dort positioniert sein. Es gehört auf die „andere Seite“ der Kamera, dorthin, wo nicht schon das Hauptlicht steht. Legt man eine Achse von der Kamera zur interviewten Person, liegt das Fülllicht in einem Winkel von etwa 15 bis 60 Grad zu dieser Achse.Führungslicht ist meist ein „weiches“ Licht.
Vielfach arbeiten Profis aber auch mit indirektem Licht: Der Scheinwerfer, der die Rolle des Fülllichts übernimmt, wird dazu nicht direkt auf das Subjekt oder Objekt gerichtet, sondern auf eine Wand oder einen Reflektor. Je weicher das Fülllicht, desto eher nimmt der Zuschauer dieses nicht als bewusst gesetzte Lichtquelle wahr. Perfekt ist ein Fülllicht immer dann, wenn es selbstverständlich und natürlich wirkt.
Bei der Gestaltung eines Filmbildes lassen sich nicht nur Bildkomposition, Bildbeleuchtung, Farbe und Perspektive unterscheiden. Sondern auch Vordergrund, Mittelgrund und Hintergrund. Das Akzentlicht (auch Spitzlicht genannt) hat bei der 3-Punkt Beleuchtung die Aufgabe, das Bildzentrum in diesen Bildebenen zu verorten. Der Mensch sieht dreidimensional. Damit ein Filmbild möglichst realitätsnah aussieht, muss auch die Bildbeleuchtung mithelfen.
Dieses Akzentlicht generiert Tiefe, weil es von hinten auf eine Person gerichtet ist und damit diese gegen den Hintergrund abhebt. Daher kommt auch der oft gebräuchliche Name Gegenlicht.
Zu starkes Spitzlicht generiert im Bild einen «Heiligenschein» auf dem Kopf des Protagonisten. Subtil angewendet hebt es die Person vom Hintergrund ab. Das Bild bekommt mehr Tiefe und wirkt durch seine Räumlichkeit realitätsnah.
Gegenlicht muss, anders als Fülllicht, nicht weich sein, sondern kann bei der 3-Punkt Beleuchtung stark gerichtet sein.
Wie das Hauptlicht kommt perfektes Spitzlicht idealerweise von einer leicht erhöhten Position. Als Regel gilt für die Positionierung der Leuchte ein Bildwinkel von 15 Grad bis 45 Grad oberhalb der Person.
Spitzlicht hat in einer Interviewsituation ein Verhältnis zwischen 2 : 1 (halb so starkes Gegenlicht) und 1 : 1 (Gegenlicht und Key Light halten sich die Waage).
Als Einsteiger in die Bildbeleuchtung fragen sich viele, warum kann ich nicht einen Flutlicht-Strahler aus dem nächsten Baumarkt verwenden? Gibt’s auch mit Akku. Heller geht nicht! Leider ist so einfach die Sache nicht.
Je stärker die Leuchte, desto härter der Schatten, den das Licht in den Hintergrund wirft. Aber nicht nur. Haben wir einen Menschen vor der Linse stehen, reicht eine kleine Kopfdrehung (und wer spricht schon, ohne Schultern, Arme und Kopf zu bewegen) und die Nase wirft härtere Schatten auf die Wangen als im Hochsommer die Sonnenuhr im eigenen Gärtchen.
Schlaumeier kaufen gleich zwei weitere Baustrahler, positionieren diese links und rechts und zack! fertig ist die 3-Punkt Beleuchtung und siehe da… – die Schatten sind mausetot. Dafür geht die Tiefe im Bild völlig verloren, der natürliche Raumeindruck ist weg. Das Bild wirkt flach und langweilig.
Noch viel schlimmer ist dabei: Die Person vor der Kamera sieht mit einem solchen Lichtkonzept rein gar nichts mehr und wird zum Maulwurf. Konstantes Blinzeln, halb geschlossene, hängende Augenlider und tränende Augen machen ein solches Video auf YouTube zum Renner. Brillenträger entpuppen sich zusätzlich als wahre Lichtreflex-Kanonen.
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Fotograf und Filmemacher mit über 20 Jahren Erfahrung
Die drei Lichtquellen und ihre Aufgaben
Das Führungslicht als wichtigste Lichtquelle wird seitlich von der Kamera und leicht erhöht positioniert
Der Aufheller korrigiert den Schattenwurf des Führungslichts und befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Führungslichts
Das Gegenlicht steht gegenüber dem Führungslicht und wird punktuell eingesetzt
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Der Mensch denkt und fühlt in Bildern und die stärksten Emotionen werden durch Bilder hervorgerufen. Geräusche, Sprache und Musik verstärken die Eindrücke.
Bilder im Allgemeinen und Videos im Speziellen können dabei helfen, eine Botschaft schneller und eindrucksvoller zu kommunizieren als das mit Text möglich wäre.
Bei Text müssen vom Gehirn die einzelnen Schriftzeichen zuerst dekodiert und zu Wörtern zusammengefasst werden. Meist ergeben erst mehrere Wörter in Kombination Sinn. Und das braucht Zeit.
Bilder werden als Ganzes in Bruchteilen von Sekunden erfasst und interpretiert.
Videos sind daher eine einfache und effektive Möglichkeit, emotionale Botschaften zu transportieren.
Ob ein Videos qualitativ gut ist, wird nicht an technischen Faktoren festgemacht. Du brauchst zwar ein gewisses Maß an fotografischen Know-How um ansprechende Bilder zu gestalten, aber vor allem eine gute Story, die mit guten Bildern verstärkt wird.
